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Wundengrab

Verdeckt von Schlamm und Unrat
ruht die Seele in trügerischem Traum
von der Illusion einer heilen Welt genährt.
Bis die eiserne Kralle das dünne Häutchen aufreißt
und die Vernarbung des Schmerzes entheilt.

"Mache dir nichts vor, du bist allein"
schreit der Teufel in das Universum,
und die Kreatur begreift dieses eherne Gesetz.
Der Teufel ist das einzig Wahrhafte
in einer kalt rotierenden Welt.

Es sind die Schatten des Grauens,
die allein uns Freund sind,
denn sie sind Felsen der Verlässlichkeit.
Das kalte Menschentier zimmert sich eine Moral,
die seiner Bequemlichkeit schmeichelt.

Eloquent lässt sich das Elend verneinen
solange es zu den Abwärtstretern zählt,
dieses Tier, das sich Krone der Schöpfung heißt.
Es gibt kein höheres Gut auf Erden
als Hüter des eigenen Arsches zu werden.

Eine ent-Tier-te Menschenseele irrt vergeblich
im entseelten Universum der Menschlichkeit.
Das Untier steckt tief im Schlund der Hölle,
in der die entmenschte Kreatur die Wunden,
mit einer Pest verseuchten Zunge leckt.

Es ist sodann wieder Teil der großen Illusion,
die unsre Wunden in das Grab verbannt,
so sie ruhen, von Liebesgaukleien erfüllt,
bis die unbarmherzige Eisenkralle
die schlammbedeckte Narbe aufreißt.


© Erich Romberg


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